Es sollte einen perfekte Nacht werden. Klarer Himmel und Vollmond! Gibt es einen besseren Zeitpunkt einen Löwen zu bezwingen? Doch jeder Kampf bedarf der entsprechenden Ausrüstung. Petzel Headlights, CHECK! Hanwag Schuhe, CHECK! Leichte Kleidung fürs Licht und was Warmes für den Schatten, CHECK! Ausreichend Flüssigkeit, CHECK! Stullen (die belegten mit Käse und so), CHECK! Ein Rucksack schwer gefüllt mit Waffen um den Kampf zu dokumentieren, CHECK!
Um 1600 steht unser Gefährt vor der Tür und bringt uns zum Fuss des Titanen. Der Lions Head ist ein spitz aufragender Berg der sich erbarmungslos durch die Metropole Kapstadt frisst und den City Bowl vom Atlantic-Seabord trennt.
Der City Bowl ist die sogenannte Innenstadt und besteht aus den Stadtteilen City Centre, Bo Kaap, Oranjezicht, Tamboerskloof, Vredehoek, de Waterkant und Gardens. Daran grenzt das Atlantic Seabord mit Green Point, Sea Point, Fresnaye, Bantry Bay, Clifton, Camps Bay und Bakoven. Und das alles sieht dann so aus:Gut, genug Stadtkunde. Die Sonne brennt und wir sind bereit für den Aufstiegt. Ein breiter sandiger Weg führt uns gemächlich mit leicht steilem Anstieg um den Berg herum. Anscheinend hat es sich heute herumgesprochen, welch fantastische Sicht man heute haben wird, denn mit uns pilgern noch so manch Andere den Berg hinauf.
Mit jedem weiteren Schritt hinauf, gibt uns der Löwe eine Vorahnung auf seine Aussicht. Die Häuser werden kleiner, die Landschaft weiter. Als wir die andere Seite erreichen, blicken wir auf Camps Bay mit seinen wunderschönen weißen Stränden, an den Hängen der Zwölf Apostel. Ein Nachzählen der riesigen Felsvorsprünge würde sich nicht lohnen, da es auf jeden Fall mehr sind.
Je weiter wir kommen desto enger und felsiger wird der Weg und es lohnt sich für die eigene Gesundheit, den Blick die meiste Zeit auf dem Boden zu haben. Wir balancieren an Felsvorsprüngen entlang, erklimmen steile Felswände mit Hilfe von in die Wand eingelassenen Metallstiegen und ziehen uns an Ketten in die Höhe.
Und nach knapp zwei Stunden haben wir es geschafft. Wir haben den Löwen bezwungen, stehen auf seinem schätzungsweise 100 m2 großen Plateau und werden mit einem unglaublichen Panorama belohnt. Auf der einen Seite erstreckt sich bis zum Horizont die Stadt mit ihren unzähligen Straßen, Häusern und Menschen. Auf der anderen Seite bereitet sich die Sonne auf ihr allabendliches Bad im Atlantischen Ozean vor. Und dann geht alles ganz schnell. Im Sekundentackt ändert sich das Licht, von einem kalten Blau, über ein warmes Orange bis hin zum brennenden Rot.
Man kann es förmlich zischen hören, als der glutrote Ball im Meer versinkt. Doch dem Einen folgt sogleich das andere Spektakel. Surreal und wie ein Fremdkörper schiebt sich auf der anderen Seite die leuchtende Scheibe des Mondes hinter dem Tafelberg hervor. Wie eine zähe Masse fließen in seinem Licht dicke Wolken über die Ränder des Felsplateaus und lassen einen an der Echtheit der Szenerie zweifeln. Die Nacht erwacht, und mit ihr die Stadt. Millionen von kleinen gelben Lichtern erleuchten, flackern und lassen erst jetzt die wahre Größe dieser Stadt erahnen.Nach langer Zeit fassungslosem Starren, langen Belichtungszeiten und den Stullen geht es auf den Rückweg. Auf dem Kopf die Lampen, jeden Schritt gut überdenkend, marschieren wir los und beschweren uns wie jeder bei einem Abstieg, dass dieser viel unbequemer als der vorherige Weg ist!
Aus dem Taxi werfen wir noch einen letzten Blick für diesen Tag auf den Löwen, sehen hier und da die kleinen Lichter der Taschenlampen aufleuchten und verabschieden uns…bis zum nächsten Mal!





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